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#1

Ja, machmal ist es echt schwer. Vor allem, wenn meine Mutter sich wieder nicht zu fragen traut. Ihr liegt dann irgend etwas auf der Zunge, man kann es ihr ansehen, aber sie schweigt. Oder wenn mein Vater die Augenbrauen hebt und fragt: "Welche Tabletten?", obwohl ich schon seit einem Monat ein Antidepressivum nehme. In solchen Momenten ist mir nach Heulen zumute. Dann verzehre ich mich nach jemandem, der mich wortlos in den Arm nimmt. Sich eingestehen zu müssen, daß einem die eigenen Eltern nicht werden helfen können beziehungsweise sogar mit die Ursache des Problems sind, zwickt schon ordentlich. Ich liebe meine Eltern sehr, aber "darüber" mit ihnen sprechen kann ich nicht. (Noch nicht?) Das Gefühl, überhört und ignoriert zu werden, zu stören und nicht verstanden zu werden ist einfach zu groß, sei es nun legitim oder pure Einbildung. Mal sehen, vielleicht können wir Mengenrabatt mit dem Therapeuten aushandeln, wenn wir uns alle gemeinsam auf die Couch legen, hihi.

Ach, wie gerne wäre ich jetzt in Tisens. Im Sommer, früh morgens auf dem Balkon, mit Blick auf den Rosengarten und den Indianer, mit diesem unvergleichlichen Duft in der Nase. Dann in den kleinen Markt gehen, fürs Frühstück einkaufen, leckere Kornspitz-Brötchen und echte italienische Mortadella, Eltern und Schwester zum Wandern verabschieden und danach den ganzen Tag auf dem Balkon sitzen und schreiben, gewärmt von einer Sonne, die sich immer irgendwie durch die Dunstglocke über dem Alto Adige kämpft. Obstplantagen im Blick, das monotone "tsch-tsch-tsch" der Beregnungsanlagen im Ohr, rostige Ape, die mit lautem Getöse durchs Dorf rasen, am Abend dann noch ein kleiner Spaziergang durch Lana, wobei natürlich ein Cappuccino mit Zimt bei "Ella" nicht fehlen darf... Sagte ich zweite Heimat? Nein, ich glaube, dieses kleine Dörflein am Fuß der Berge ist meine eigentliche Heimat. Auf jeden Fall fühlt es sich so an, wenn ich dorthin zurückkehre.

Ich brauche Urlaub. Für mindestens ein ... Jahr.

27.3.09 08:26


#2

Wenn ich heute nachmittag nach Hause komme, bin ich, glaube ich, reif für den Gnadenschuß. Ich hab heut' den ersten Tag meiner Tage, fühle mich dementsprechend beschissen (Kopf-, Unterleibs- und Rückenschmerzen, Kreislaufprobleme) und bin darüber hinaus völlig groggy von der Woche. Fünf Tage am Stück zu arbeiten ist im Moment einfach nicht drin. Vier sind eigentlich schon zuviel. Von morgens bis spät nachmittags pausenlos unter Strom zu stehen (Wie geht's mir? Kriege ich gleich wieder eine Attacke? Oder bleibt alles still? Ist das Herzrasen oder bin ich einfach nur zu schnell die Treppe hochgelaufen?), schlaucht so unglaublich! Dazu noch das triste Wetter, das meine Laune erst recht drückt ... Ich bin gleichzeitig aufgedreht und hundemüde; wann immer ich irgendwo sitze und nichts tue, drohen mir die Augen zuzufallen. Und als wäre das alles nicht genug, kriege ich auch noch die Auswirkungen des Mondes zu spüren. Heute Nacht habe ich wunderbar geträumt, von einem Schauspieler, der Liev Schreiber verdammt ähnlich sieht, aber nicht Liev Schreiber ist, dessen Namen ich nicht kenne und den ich erst vor kurzem bei einem Making-of im Fernsehen gesehen habe, aber trotzdem nicht einordnen kann. Hilfe? In meiner Verzweiflung habe ich schon das aktuelle Kinoprogramm durchgeblättert, in der Hoffnung, zufällig ein Bild von ihm zu finden, aber es hat nichts genutzt. Mich macht so was ja wahnsinnig! Ich muß jetzt wissen, wer das ist. Auf der Stelle.

27.3.09 10:28


#3

Eßstörungen ... Ich wünsche Euch allen mal eine chronische Gastritis, wie ich sie mein eigen nennen "darf". Ich wäre heilfroh, endlich noch mal all das und vor allem soviel essen zu können, wie ich möchte, ohne daß es mir noch drei Stunden später beschissen geht (vor Leibschmerzen, nicht wegen Schuldgefühlen).

27.3.09 13:12


#4

Ich interessiere ihn einen Scheißdreck. Es ist ihm völlig egal. Vielleicht ist er aber auch einfach nur ein noch viel größerer Gefühlskrüppel, als ich bislang angenommen habe. Wieviel muß eigentlich noch passieren, bis er endlich mal auf meinen desaströsen seelischen Zustand aufmerksam wird? Es tut so weh, wenn alle dich einfach nur schweigend anschauen, anstatt irgend was zu tun. Sie fragen ja nicht mal mehr, wie es mir geht. Aber wahrscheinlich ist das alles meine Schuld. Ich bin ja so schrecklich distanziert, nicht wahr? Bei mir weiß man ja nie, wo man dran ist, und ob ich wirklich Gesellschaft möchte oder einen bei dem Versuch, mir nahezukommen, wegstoße. Blabla. Muß ich wirklich immer den ersten Schritt tun? Warum kommt nie jemand auf mich zu? Ich sitze hier und er sitzt da oben und kommt nicht mal auf die Idee, bei mir nach dem rechten zu sehen. Manchmal hasse ich ihn für seine Gleichgültigkeit.

31.3.09 07:14


#5

Kein "Golden brown" von den Stranglers, bitteschön, wenn mir die Melancholie eh schon aus den Ohren läuft. An was anderes denken. Joshua Jackson, vielleicht? "The Fringe"? Gott, was für eine beschissene Serie mit beschissenen Charakteren und noch viel beschisseneren Schauspielern, aber J.J. mag ich ja. Sehr sogar. Allein für ihn würde es sich lohnen, sich jeden Montag durch eine Stunde Müll zu quälen. So, wie es sich gelohnt hat, sich durch schier endlose Staffeln "Dawsons Creek" zu quälen, diese ätzende Serie mit einer ätzenden Katie Holmes und einem schleimigen James van wie auch immer und überwiegend schlechten Geschichten.

Markus Schenkenberg soll der schönste Mann der Welt sein?! Ah ja. Kann ich zwar absolut nicht nachvollziehen, aber was soll's. Hat ja niemand behauptet, ich wäre eine typische Frau. Der taugt doch nicht mal zum Schönstehen.

Wie schön könnte das Leben sein, wenn es nicht so beschissen wäre. Gott, manchmal gehe ich mir wirklich selbst auf die Nerven. Aber ich darf das. In Selbstmitleid ertrinken, meine ich. Wer offiziell geisteskrank ist, darf das. Punkt.

Bla. Schreiben, um nicht nachzudenken.

Sonntag hat drei oder vier Mal das Telefon geklingelt. Eine Nummer aus München. Ich dachte, es wäre sie, und bin nicht rangegangen, weil ich keine Lust zu quatschen hatte. Gestern dann dasselbe Spielchen von vorn. Beim dritten Mal bin ich rangegangen. Ein junger Mann wollte mich zu einer Umfrage über Rauchen und Nichtrauchen überreden. Hallo? Der erste Anruf von dieser Nummer kam an einem Sonntagmorgen gegen ELF! Elendes Mistpack. Wenigstens weiß ich jetzt wieder, warum ich immer erst den Anrufbeantworter rangehen lasse. Wer wirklich was von mir will, hinterläßt eine Nachricht; alle anderen können mich kreuzweise.

Ich brauch was zum Abreagieren.

31.3.09 07:53


#6

Birte hat mir Szwennies E-Mail-Adresse geschickt - also die E-Mail-Adresse meines Zukünftigen. Schließlich habe ich schon als Kind gesagt, daß ich ihn eines Tages heiraten werde. Szwennie ist wie Chris: Einer der wenigen Menschen in meinem Leben, die ich aus tiefstem Herzen liebe und die mich in ihren Bann ziehen wie kaum jemand sonst. Mein Szwennie... Bruder im Geiste (der Pharmazeutika, haha).

Nachtrag: Er war gerade bei uns im Büro - um mit meinem Chef zu reden. Hat zehn Minuten lang dagesessen, hat keinen Ton zu mir gesagt und ist rausgegangen, ohne auch nur ansatzweise nachzufragen, wie es mir geht. Ist das nicht rührend? Ich glaube, ich könnte vor ihm stehen und mir eine Waffe an den Kopf halten, und er würde noch immer dumm aus der Wäsche gucken und alles für halb so schlimm halten. Er zieht mich wirklich immer wieder runter. Zum Kotzen.

31.3.09 08:20


#7

Das Schweigen im Walde. Nichts geschieht. Er beachtet mich nicht. Und ich stehe seit heute morgen permanent kurz davor, in Tränen auszubrechen. Immer wieder muß ich mich mit aller Gewalt davon abhalten, zu weinen anzufangen. Und wie immer in solchen Phasen fange ich an, eine DVD nach der anderen zu kaufen. Ersatzbefriedigung. Wenn mich schon im wahren Leben niemand in den Arm nimmt, dann erträume ich es mir einfach. Ich vermisse Swen. Obwohl ich ihn seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Aber im Moment, denke ich, ist er der einzige, der mich versteht, so als Leidensgenosse. Warum nur wohnen alle so verdammt weit weg?

31.3.09 11:58


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